Jürgen: Kameras hatte ich vergessen

schleinixe
"Die Kameras hatte ich nach zwei Stunden vergessen"

Köln (DK) Als Jürgen Milski vor mehr als zehn Jahren in einer Zeitung auf einen Bericht über das geplante Format "Big Brother" stieß, konnte er sich nur wundern: "Was ist denn das für eine kranke Sache, dass sich zehn Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg einschließen und auch noch dabei beobachten lassen" Und doch ließ ihn die Sache irgendwie nicht mehr los. "Ins Haus wollte ich überhaupt nicht. Mich hat aber interessiert, welche Kriterien die Menschen da erfüllen müssen, damit sie genommen werden", erklärte der heute 46-Jährige gegenüber dem DONAUKURIER. So nahm er an den Castings des heftig umstrittenen Formats teil, kam immer wieder eine Runde weiter – und wurde genommen. Nach anfänglichem Weigerungsversuchen ließ er sich schließlich doch zum Einzug überreden. "Ich bin ein freiheitsliebender Mensch und war mir sicher, dass ich es da drin nicht lange aushalte." Aber für ein, zwei Wochen, dachte sich der Kölner, würde es schon gehen.

Und doch ließ ihn die Sache irgendwie nicht mehr los. "Ins Haus wollte ich überhaupt nicht. Mich hat aber interessiert, welche Kriterien die Menschen da erfüllen müssen, damit sie genommen werden", erklärte der heute 46-Jährige gegenüber dem DONAUKURIER. So nahm er an den Castings des heftig umstrittenen Formats teil, kam immer wieder eine Runde weiter – und wurde genommen. Nach anfänglichem Weigerungsversuchen ließ er sich schließlich doch zum Einzug überreden. "Ich bin ein freiheitsliebender Mensch und war mir sicher, dass ich es da drin nicht lange aushalte." Aber für ein, zwei Wochen, dachte sich der Kölner, würde es schon gehen. Jürgen blieb bis zum Schluss. "Es war eine schöne Zeit", sagt er. "Die Kameras hatte ich nach zwei Stunden schon vergessen." Drei Monate verbrachte er im "Big-Brother-Haus", abgeschirmt von allen Außeneinflüssen, unter der ständigen Beobachtung von den Fernsehzuschauern. Seine fast rührende Freundschaft mit WG-Kumpel Zlatko war Gesprächsthema in ganz Deutschland. Gewonnen hat er die erste Staffel zwar nicht – die Zuschauer wählten den Potsdamer John zum Sieger – allerdings war mit der Teilnahme der Grundstein für Jürgens Karriere gelegt. Als Moderator von Anrufshows, Stimmungsmacher und Sänger auf Mallorca oder Après-Ski-Partys sowie als Gast diverser "Fernsehgeschichten", wie er es ausdrückt: Jürgens Terminkalender ist voll.
Von den anderen Bewohnern des Containers hört man heute nichts mehr, abgesehen von Alida-Nadine Kurras, Gewinnerin der zweiten Staffel, die heute erfolgreich als Moderatorin arbeitet. Versuchten die "Big Brother"-Macher anfangs noch, die Teilnehmer am Ende jeder Staffel zu vermarkten, etwa mit der Aufnahme von CDs, ist das inzwischen gar nicht mehr gewollt. "Den Kandidaten, die jetzt ins Haus einziehen, ist es auch voll bewusst, dass sie nachher kein großer Star werden", sagt Maren Mossig, die von Anfang an im Auftrag der Produktionsfirma Endemol für die PR von "Big Brother" zuständig ist. "Den Grund dafür sehe ich in der Inflation an Casting- und Realityformaten. Da kann das gar nicht mehr funktionieren."

Schon vor Beginn der Sendung hagelte es Kritik von allen Seiten. Von der Verletzung der Menschenwürde, einem "Menschenzoo" war die Rede. Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder, wollte das Format sogar verbieten. Als Kompromiss führten RTL 2 und Endemol die sendefreie Stunde ein, die es auch heute noch gibt: In einem Raum sind täglich für eine Stunde sämtliche Kameras abgeschaltet. Auch wenn das die Kritiker nicht wirklich milde stimmte, die medienpolitische Schelte legte sich relativ rasch wieder. "Es gab zwar noch ein paar Aufschreie, aber nur, wenn sich die Bewohner im Haus nicht ordnungsgemäß verhalten haben", berichtet Mossig.

So verlief auch der Start der aktuellen zehnten Staffel am 11. Januar eher leise. "Big Brother" wurde für Kritiker wie Zuschauer immer uninteressanter: Die Quoten sanken von Staffel zu Staffel, die Entscheidungsshows pendelten sich ab der sechsten Staffel auf einen durchschnittlichen Marktanteil zwischen sieben und neun Prozent bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern ein. Zum Vergleich: "Deutschland sucht den Superstar" erreichte vergangenem Samstag einen Anteil von 32,1 Prozent. Die Konkurrenz durch andere Reality-Sendungen ist eben groß – auch für die Mutter der vor zehn Jahren völlig neuen Fernsehform, als plötzlich ganz normale, völlig unprominente Menschen im Blickpunkt standen und auf ihrem Weg begleitet wurden.

Wie Alida, Rechtswissenschaftsstudentin aus Berlin, die mit 23 Jahren in den Container einzog und nach drei Monaten zur "Big Brother"-Königin gewählt wurde. Wie Jürgen wollte auch sie am Anfang nicht wirklich ins Haus. "Ich hatte zwar von der Sendung gehört, aber nicht gerade viel davon gehalten", erzählt sie dem DONAUKURIER. Ihre Freundinnen meinten daraufhin, sie sei ja nur neidisch auf die Bewohner, weil sie selbst niemals dort genommen werden würde. "Daraufhin habe ich mit ihnen um einen Kasten Bier gewettet." Den hat sie gewonnen – ebenso wie 250 000 Mark Siegerprämie. "Mit dem plötzlichen Ruhm umzugehen ist nicht leicht", sagt sie heute. "Plötzlich fragen dich fremde Leute auf der Straße, ob sie dir die Hand geben dürfen." Manchem Kandidaten sei das zu Kopf gestiegen.

Ihre immer noch währende Bekanntheit führen Alida und Jürgen auf ihre Bodenständigkeit zurück. Erfolg zu haben, so Jürgen, bedeute auch harte Arbeit: "Du musst hier eine Leistung erbringen wie in anderen Berufen auch. Zwei haben sie erbracht: Alida und ich."


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