schleinixe
Das Auge des Großen Bruders sieht Langeweile
Die Empörung über das Voyeur-TV hat sich längst gelegt, doch „Big Brother“ ist immer noch da. Vor zehn Jahren, am 28. Februar 2000, lief die erste Staffel der Containershow an. Was damals Experten und das Volk erzürnte, ist heute vor allem eines: langweilig.
Eine gewisse Anzahl von Normalbürgern wird in eine Bretterbude gesperrt, in der jeder Winkel (bis auf die Toilette) von Kameras und Mikrofonen erfasst wird. Ziel des Spiels für die Bewohner ist es, möglichst lange im Haus zu bleiben. Denn die Zuschauer stimmen per Telefon ab, wer bleiben darf und wer gehen muss. Wer als Letzter noch im Haus lebt, gewinnt eine Stange Geld. Das ist das „Big Brother“-Prinzip.
In Deutschland nur noch Nebensache
Erfunden wurde es von der TV-Produktionsfirma „Endemol“ – und inzwischen in fast 70 Länder exportiert. Vor zehn Jahren lief in Deutschland die erste Staffel an, von Protesten begleitet. Die Aufregung von damals hat sich längst gelegt, „Big Brother“ ist heute in Deutschland eher zur Nebensache im TV-Diskurs geworden. In anderen Ländern ist das anders, in Großbritannien etwa sorgte kürzlich noch eine Promi-Variante für Gesprächsstoff.
Hysterie ist gewichen
Die Empörung, die die erste Staffel der TV-Voyeur-Show auslöste, mutet aus heutiger Sicht nur noch hysterisch an. Damals war es etwas Besonderes, 24 Stunden am Tag vermeintliche Stink-Normalos, Durchschnittsprolls und Kreaturen von fragwürdiger Sozialkompetenz am Schirm beobachten zu können. Heute sind wir nicht nur zehn Jahre weiter, heute wissen wir: „BB“ war nur der Anfang.
Es wird darüber geschrieben, dass mit der Containershow erstmals Nicht-Promis in den Fokus gerückt wurden – ein Prinzip, das im modernen TV längst zum Standard geworden ist. Gleichzeitig gaben „Big Brother“ und sein anfänglicher Erfolg aber auch den Startschuss für eine Fülle von Fernsehsendungen, die vorher schlicht undenkbar waren. Der „Bachelor“ wäre da zum Beispiel zu nennen, die Nachahmer wie „Girls Camp“ oder „Die Burg“, letztlich auch Castingformate wie „DSDS“ oder „Popstars“, in denen ebenso Normalos vor der Kamera stehen, dazu die zum Teil erfundenen Reality-Soaps am Fernsehnachmittag und irgendwie auch der RTL-Dschungel, die Resterampe für B-, C- und sonstige Promis, die nicht selten zuvor in den Instant-Star-Fabriken von „Big Brother“ bis „DSDS“ erst produziert wurden.
Reality-TV ist also im Gefolge von „Big Brother“ in Deutschland Realität geworden. Darüber kann man sich aufregen, man kann es aber auch ignorieren. Wer es nicht macht und – aus Versehen oder Neugier – mal in die aktuelle „Big Brother“-Staffel hineinzappt, der wird schnell angeödet weiterschalten. Und das müsste eigentlich das Todesurteil der einstigen Skandalshow sein. Denn Fernsehen darf schließlich heute fast alles, nur nicht langweilen. In diesem Sinne gehört „BB“ längst in die Tonne.
Die zehnte Staffel läuft
Seit dem 11. Januar ist die zehnte Staffel auf Sendung, die Tageszusammenfassungen laufen dienstags bis sonntags, jeweils um 19 Uhr beim Sender RTLII. Montags um 21.15 Uhr kommt die Entscheidungsshow, in der geklärt wird, wer das Haus verlassen muss und somit keine Chance mehr auf den Geldgewinn am Ende der Staffel hat (250.000 Euro). Der muss übrigens versteuert werden, wie das Kölner Finanzgericht kürzlich entschieden hat.
Die aktuelle Staffel wird 148 Tage dauern. Eine Besonderheit ist, dass es zu Beginn zwei voneinander unabhängige Häuser gab, eines im Luxus-Stil, eines heruntergekommen. Die Bewohner dieses schäbigen „Geheimhauses“ wussten nichts von den Kollegen in der anheimelnden Umgebung. Inzwischen leben alle im schicken Haus. In einer „Whitebox“ müssen sie Aufgaben bewältigen.
Eine Feier zum zehnten Geburtstag der Sendung soll es nicht geben, erklärte jetzt eine Sprecherin der Produktionsfirma Endemol. Auch die Show wird nicht besonders auf das Thema eingehen. Über die Jahre haben sich insgesamt 267 Kandidaten der Dauerbeobachtung ausgesetzt, vier davon waren je zweimal dabei. Sie verbrachten zusammen 1683 Tage in den diversen Häusern, die von Staffel zu Staffel anders aufgebaut und konzipiert waren. Unverändert blieb die Hoffnung der Zuschauer, irgendetwas Spektakuläres zu sehen. Oft wird darunter das Aufblitzen eines nackten Busens oder eine verschämte Kuschelei unter der Bettdecke verstanden.
Promis zu Besuch
Oder der Besuch von Prominenten. So waren in den vergangenen Jahren „Stars“ wie Costa Cordalis, Udo Walz, Gotthilf Fischer und Verona Pooth, Sportler wie Wladimir Klitschko oder Toni Polster zu Gast. In nachhaltiger Erinnerung geblieben ist die Stippvisite des heutigen Außenministers Guido Westerwelle im Oktober 2000. Dass das nun auch schon wieder fast zehn Jahre her ist, zeigt, wie schnell die Zeit vergeht. Und dass sogar solche Eskapaden vorübergehen.
http://rhein-zeitung.de/on/10/02/26/news...kup=Big&Brother
Die Empörung über das Voyeur-TV hat sich längst gelegt, doch „Big Brother“ ist immer noch da. Vor zehn Jahren, am 28. Februar 2000, lief die erste Staffel der Containershow an. Was damals Experten und das Volk erzürnte, ist heute vor allem eines: langweilig.
Eine gewisse Anzahl von Normalbürgern wird in eine Bretterbude gesperrt, in der jeder Winkel (bis auf die Toilette) von Kameras und Mikrofonen erfasst wird. Ziel des Spiels für die Bewohner ist es, möglichst lange im Haus zu bleiben. Denn die Zuschauer stimmen per Telefon ab, wer bleiben darf und wer gehen muss. Wer als Letzter noch im Haus lebt, gewinnt eine Stange Geld. Das ist das „Big Brother“-Prinzip.
In Deutschland nur noch Nebensache
Erfunden wurde es von der TV-Produktionsfirma „Endemol“ – und inzwischen in fast 70 Länder exportiert. Vor zehn Jahren lief in Deutschland die erste Staffel an, von Protesten begleitet. Die Aufregung von damals hat sich längst gelegt, „Big Brother“ ist heute in Deutschland eher zur Nebensache im TV-Diskurs geworden. In anderen Ländern ist das anders, in Großbritannien etwa sorgte kürzlich noch eine Promi-Variante für Gesprächsstoff.
Hysterie ist gewichen
Die Empörung, die die erste Staffel der TV-Voyeur-Show auslöste, mutet aus heutiger Sicht nur noch hysterisch an. Damals war es etwas Besonderes, 24 Stunden am Tag vermeintliche Stink-Normalos, Durchschnittsprolls und Kreaturen von fragwürdiger Sozialkompetenz am Schirm beobachten zu können. Heute sind wir nicht nur zehn Jahre weiter, heute wissen wir: „BB“ war nur der Anfang.
Es wird darüber geschrieben, dass mit der Containershow erstmals Nicht-Promis in den Fokus gerückt wurden – ein Prinzip, das im modernen TV längst zum Standard geworden ist. Gleichzeitig gaben „Big Brother“ und sein anfänglicher Erfolg aber auch den Startschuss für eine Fülle von Fernsehsendungen, die vorher schlicht undenkbar waren. Der „Bachelor“ wäre da zum Beispiel zu nennen, die Nachahmer wie „Girls Camp“ oder „Die Burg“, letztlich auch Castingformate wie „DSDS“ oder „Popstars“, in denen ebenso Normalos vor der Kamera stehen, dazu die zum Teil erfundenen Reality-Soaps am Fernsehnachmittag und irgendwie auch der RTL-Dschungel, die Resterampe für B-, C- und sonstige Promis, die nicht selten zuvor in den Instant-Star-Fabriken von „Big Brother“ bis „DSDS“ erst produziert wurden.
Reality-TV ist also im Gefolge von „Big Brother“ in Deutschland Realität geworden. Darüber kann man sich aufregen, man kann es aber auch ignorieren. Wer es nicht macht und – aus Versehen oder Neugier – mal in die aktuelle „Big Brother“-Staffel hineinzappt, der wird schnell angeödet weiterschalten. Und das müsste eigentlich das Todesurteil der einstigen Skandalshow sein. Denn Fernsehen darf schließlich heute fast alles, nur nicht langweilen. In diesem Sinne gehört „BB“ längst in die Tonne.
Die zehnte Staffel läuft
Seit dem 11. Januar ist die zehnte Staffel auf Sendung, die Tageszusammenfassungen laufen dienstags bis sonntags, jeweils um 19 Uhr beim Sender RTLII. Montags um 21.15 Uhr kommt die Entscheidungsshow, in der geklärt wird, wer das Haus verlassen muss und somit keine Chance mehr auf den Geldgewinn am Ende der Staffel hat (250.000 Euro). Der muss übrigens versteuert werden, wie das Kölner Finanzgericht kürzlich entschieden hat.
Die aktuelle Staffel wird 148 Tage dauern. Eine Besonderheit ist, dass es zu Beginn zwei voneinander unabhängige Häuser gab, eines im Luxus-Stil, eines heruntergekommen. Die Bewohner dieses schäbigen „Geheimhauses“ wussten nichts von den Kollegen in der anheimelnden Umgebung. Inzwischen leben alle im schicken Haus. In einer „Whitebox“ müssen sie Aufgaben bewältigen.
Eine Feier zum zehnten Geburtstag der Sendung soll es nicht geben, erklärte jetzt eine Sprecherin der Produktionsfirma Endemol. Auch die Show wird nicht besonders auf das Thema eingehen. Über die Jahre haben sich insgesamt 267 Kandidaten der Dauerbeobachtung ausgesetzt, vier davon waren je zweimal dabei. Sie verbrachten zusammen 1683 Tage in den diversen Häusern, die von Staffel zu Staffel anders aufgebaut und konzipiert waren. Unverändert blieb die Hoffnung der Zuschauer, irgendetwas Spektakuläres zu sehen. Oft wird darunter das Aufblitzen eines nackten Busens oder eine verschämte Kuschelei unter der Bettdecke verstanden.
Promis zu Besuch
Oder der Besuch von Prominenten. So waren in den vergangenen Jahren „Stars“ wie Costa Cordalis, Udo Walz, Gotthilf Fischer und Verona Pooth, Sportler wie Wladimir Klitschko oder Toni Polster zu Gast. In nachhaltiger Erinnerung geblieben ist die Stippvisite des heutigen Außenministers Guido Westerwelle im Oktober 2000. Dass das nun auch schon wieder fast zehn Jahre her ist, zeigt, wie schnell die Zeit vergeht. Und dass sogar solche Eskapaden vorübergehen.
http://rhein-zeitung.de/on/10/02/26/news...kup=Big&Brother