11. Schlechte Laune oder Ehrgeiz?
Tobi erklärt erneut, dass es ihm aber momentan einfach beschissen gehe.
Jürgen, energisch: „Was hast du für einen verschissenen, verfickten Grund, so eine Fresse zu ziehen? Bullshit! Nur weil Cora draußen ist! ... Meine Frau ist seit über nem dreiviertel Jahr in Berlin, mein Freund. Wenn ich die mit so ner Fresse sehen würde.“
Uwe mischt sich ein, beschwichtigend: „Aber er hat halt noch nicht die Gewissheit.“
Tobi, durch diesen Einwurf neu motiviert, meint: „Wenn ich ein Ziel habe, dann bin ich da ziemlich... da versuche ich alles dran zu setzen, dass es was wird. Das ist mein Ehrgeiz!“
Auch das lässt Jürgen nicht gelten: „Ja, Ehrgeiz an sich ist ja gut, aber....“
Es erfolgt eine Schalte ins Bad, wohin Daniel und Uwe kurz verzogen haben. Daniel klagt über Halsschmerzen und Uwe stellt fest, dass Tobi auch welche hätte.
Beide schlendern zurück in die Küche, wo Jürgen und Tobi sich mittlerweile im Schneidersitz auf der Kücheninsel gegenüber sitzen. (
Barfuss auf der morgigen Reiszubereitungsfläche... Aber was nimmt der BB-Insasse nicht alles für Liebesberatungen in Kauf)
12. Tobi als Belastung
Tobi: „Ich setz halt alles auf eine Karte!“
Jürgen: „Aber jetzt macht sie Sachen, die sie einhalten MUSS! Wenn du jetzt rausgehst, dann würde sie sicher sagen: ‚Ich freu mich.’ Aber du wärst eine Belastung!“
Uwe, jetzt Jürgens Seite bekräftigend: „So, wie wenn man am Telefon sagt: Schön dich zu hören, aber wir telefonieren morgen.“
Jürgen, begeistert von diesem Einwurf: „Genau! Vielleicht bist du ja in vier Wochen raus – bis dahin hat sie alles gemanagt. Dann ist gut und dann hat sie Zeit. Und du bist keine Belastung mehr!“
Daniel fasst sich ein Herz und setzt seiner Beiwohnung ein Ende: „Gut, ich geh schlafen!“
Uwe schließt sich an: „Ich auch!“
Jürgen, zu Daniel: „Wann gehst du raus zu den Hühnern?“
Daniel antwortet „Um 6“ und Jürgen meint: „Ja, da bin ich sicher noch auf!“ (
Aber doch hoffentlich schweigend mit dem Würfel, sonst endet der Dialog ja nie...)
13. Zurück zum Ehrgeiz und der Belastung
Tobi kommt von den Hühnern zurück zu seinem Problem und dem gutgemeinten Rat durch Jürgen: „Ich weiß was du meinst, aber ich bin da sehr ehrgeizig.“
Jürgen: „Das hat doch nix mit Ehrgeiz zu tun!“
Tobi, trotzig: „Doch: Ich setz alles auf eine Karte, und wenn ich auf die Fresse flieg, auch gut.“
Jürgen: „Eine Frau, eine Beziehung hat nix mit Ehrgeiz zu tun!“
Tobi: „Ich bin keine Klette oder so. Aber dann hätte ich Gewissheit. Man macht sich einfach Sorgen.“
Jürgen: „Wenn ich mein ganzes Leben lang...“ Er unterbricht und bringt es anstelle der lebenslangen Ausführung kurz auf den Punkt: „ Ich denk immer nicht an mich.“
Tobi: „Ich auch nicht!“
Jürgen, energisch: „Doch, in dem Moment denkst du nur an dich!“
Tobi: „Nee, ohne Scheiß. Ich hab das auch gerade erst dem Uwe gesagt: Wenn es anderen Leuten schlecht geht, dann schraub ich zurück!“
Jürgen: „Ja klar. Aber trotzdem. In dem Moment, wo sie hier raus ist, da hat sie so viel zu erledigen. Da wärst du eine Belastung. Und wenn du jetzt raus willst, dann denkst du da nur an dich.“
Tobi: „Aber sie hat vor ein, zwei Wochen zu mir gesagt, sie ist nur noch wegen mir hier.“
Jürgen, erfreut: „Ja siehste! Und obwohl du da warst, ist es ihr von Tag zu Tag schlechter gegangen.“
Tobi: „Ja, ich hab ja auch gesagt, sie soll keine Rücksicht auf mich nehmen.“
Jürgen erklärt die Lage am Beispiel seiner eigenen Beziehung: „Meine Frau hat gesagt: ‚Geh da rein, mach dein Ding, sei der Sonnenschein. Und ich seh dich, und wenn ich sehe, es geht dir gut, dann geht es mir auch gut.’ Und so geht es der Cora sicher auch. Sie will dich hier nicht heulen sehen. Denn dann geht es ihr so was von beschissen!“
14. Tobis Einsicht, bzw. doch keine Einsicht
Tobi: „Ja, das ist mir ja alles bewusst!“
Jürgen scheint dieses Bewusstsein nicht so recht zu glauben und erklärt weiter: „Hör auf mit der Demutsnummer. Das tut ihr net gut, wenn sie das sieht. Mach ihr den Gefallen und schau, dass du dich aufpäppelst. Sie ist natürlich net da, aber die letzte Zeit wo sie da war, war sie auch net da! Nur noch körperlich.“
Tobi: „Ja, ich kann’s ja net unterdrücken. Kannst mir nicht erzählen, dass, wenn du von ner Frau weggerissen wirst...“
Jürgen (
langsam scheint er etwas die Geduld zu verlieren 
): „Das ist kein Wegreißen. Das ist ein Weggehen. Da habt ihr sicher oft genug drüber gesprochen vorher...“
Tobi: „Ja, schon, aber....“
Jürgen, bestimmt: „Also, das ist kein Wegreißen!“
Tobi, unbeirrt an seiner Linie festhaltend: „Ich hab halt immer alles dran gesetzt, wenn ich dachte, das könnte was werden, dass ich das Ziel auch erreiche!“
Jürgen: „Ihr habt doch schon was. Und da haben Ehrgeiz und Zielsetzung gar nix verloren.“
Tobi: „Aber wenn sie so denkt wie ich?“
Jürgen, tief einatmend: „Sie hat aber doch ihren Job, ihre Leute. Und dann kommst du, und weil sie dich mag, ist sie dann nett. Aber in Wirklichkeit bist du da nur eine Belastung!“
15. Positives Denken
Es erfolgt eine Wiederholung des bislang Gesagten. Dem bislang aufmerksamen Leser reichen die Stichworte: Belastung – Ehrgeiz - Zielsetzung – schlechte Erfahrung – Ungewissheit – Klette.
Zu guter Letzt stellt Tobi fest, was ihn von Jürgen unterscheidet: „Da tick ich ein bisschen anders!“
Jürgen: „Ja, weil du da von Zielsetzung sprichst.“
Tobi, berharrlich: „Vielleicht macht man auch was kaputt, wenn man nicht draußen ist?“
Jürgen, entnervt: „Nein! Nein! Du musst positiv denken!“
Tobi: „Ich denk immer positiv!“ (
Jo, man nennt ihn auch gerne mal liebevoll "Think Pink")
Jürgen: „Nicht wirklich. Mit dem, was du hier sagst, denkst du eben nicht positiv.“
Tobi, resignierend: „Ich sitze halt zwischen den Stühlen.“
Jürgen: „Dann setzt dich auf einen!“
Tobi startet einen neuerlich Vorstoß, um seine Auszugsgedanken zu verdeutlichen: „Wenn deine Frau anruft und sagt, es geht ihr beschissen, dann wärst du der erste, der hier raus geht!“
Jürgen: „Ja, wenn sie anruft. Hat sie dich angerufen?“
Tobi, leise: „Nein, das würde sie ja nie machen.“
Klaus wandert vorbei in Richtung Toilette und lacht über die beiden im Schneidersitz Verweilenden.
(Es ist 4.15 Uhr)